19.02.2020

Vertikaler Anbau auf dem Vormarsch

Ernährungssicherung durch Inhouse-Tomaten?

Was tun, wenn der Platz knapp wird, Wasser nur begrenzt zur
Verfügung steht oder auf Pflanzenschutzmittel verzichtet werden soll? In
dicht besiedelten Städten oder an trockenen Standorten kann
Wissenschaftlern der niederländischen Universität Wageningen zufolge der
Anbau von Gemüse in geschlossenen Systemen Lösungen bieten. Mit
künstlichem Licht und einem eigenen Wasserkreislauf kann die Bevölkerung
mit gesunden, unbehandelten Nahrungsmitteln versorgt werden, die nicht weit
transportiert werden müssen. Denn sie werden mitten in der Stadt
produziert.

„Vertikal Farming“, also der Anbau in mehreren „Lagen“
übereinander in einem Gebäude sei Dank intensiver Forschung über den
optimalen Einsatz von LED-Licht, Wasser und Nährstoffen, ein
vielversprechender Ansatz. Einige große Player wie Google, Amazon oder
Ikea investierten bereits in diese zukunftsweisende Technik. Allerdings: Um
den Hunger in der Welt zu besiegen, reiche das Verfahren nicht aus, da
bisher der Anbau von Grundnahrungsmitteln – wie Reis oder Getreide –
nicht möglich sei. Doch die Versorgung mit Gemüse vor Ort könne mit
Hilfe der Inhouse-Technik deutlich verbessert werden. Die Erzeugung sei
ganzjährig möglich und völlig unabhängig von den natürlichen Klima-
und sonstigen Produktionsbedingungen.

Auf der Größe eines Fußballfeldes ließe sich Gemüse für 100.000
Einwohner erzeugen, die jeder 250 Gramm pro Tag verzehrten, so die
Wissenschaftler: „Diese Fläche kann überall liegen, in der Stadt, in
der Wüste oder auf dem Mars.“ Damit sei vertikaler Anbau eine von vielen
Lösungen der globalen Ernährungsfrage. Zumal das Verfahren in Bezug auf
den Wasserverbrauch nachhaltiger ist als die Produktion auf dem Feld oder
im Gewächshaus: 17 Liter würden benötigt, um ein Kilogramm Tomaten zu
produzieren – im Vergleich zu 60 bis 200 Litern unter Feldbedingungen.
Einzig der Energieverbrauch durch den Einsatz von künstlichem Licht statt
der Nutzung des Tageslichtes für die Photosynthese sei ein Faktor, dem man
noch weitere Forschung im Sinne der Optimierung widmen müsse, lautet das
Resümee der Wissenschaftler. (BZfE)