27.12.2017

Schloss Fasanerie: Drei erstklassige Schaugärten im Finale

Ein botanisches Sonderthema wartete mit „Lust auf Lilien“ auf die Bewerber des 11. Schaugartenwettbewerbs im Rahmen des Fürstlichen Gartenfestes Schloss Fasanerie. Der etablierte Nachwuchswettbewerb hat auch in diesem Jahr eine große Resonanz hervorgerufen, sodass die zehnköpfige Fachjury knapp 20 Entwürfe von sechs deutschen Hochschulen bewerten durfte. Die drei besten Pläne stellen sich im Januar der Abstimmung unter den Abonnenten der Fachzeitschrift „Gartenpraxis“. Insgesamt 18 Entwürfe von 26 jungen Gartendesignern begutachtete die Jury im Rahmen des Schaugartenwettbewerbs auf Schloss Fasanerie in Eichenzell bei Fulda. Das Sonderthema des Fürstlichen Gartenfestes – 2018 lautet es „Lust auf Lilien“ – gab wie immer das Motto vor. Und so durfte sich die aus Gartenexperten und Landschaftsarchitekten zusammengesetzte Jury mit Titeln wie „Liliophilie“ und „Mee(h)r Lust auf Lilien“ befassen.

Bei der Bewertung der Entwürfe ist nicht nur die kreative Umsetzung des Sonderthemas entscheidend, sondern auch, ob der Entwurf realisierbar ist. Zudem spielen Originalität und der pflanzliche Schwerpunkt eine wichtige Rolle. Die abschließende Auswahl fiel der Jury nicht leicht, dennoch konnte sie sich auf drei Entwürfe festlegen, die nun im Finale stehen und sich im Januar der Abstimmung unter den Abonnenten der Fachzeitschrift „Gartenpraxis“ stellen. Der so ermittelte Gewinnerschaugarten wird dann zum Fürstlichen Gartenfest im Mai 2018 auf rund 300 Quadratmetern im Hofgarten von Schloss Fasanerie realisiert. Anja Heil, Organisationsleiterin des Fürstlichen Gartenfestes, freut sich sehr über die große Resonanz zum Schaugartenwettbewerb: „Es zeigt, dass wir mit der Auslobung des Nachwuchswettbewerbs richtig liegen, denn nicht nur die Anzahl der eingereichten Entwürfe bleibt konstant hoch, auch die Qualität der Arbeiten ist durchweg so gut, dass die Juryentscheidung jährlich nicht einfacher wird.“ Die drei Finalisten interpretieren das Sonderthema ganz unterschiedlich: So findet sich neben einer LilienGalerie und einem Lilien-Acker auch die Frage „How to ‚Lily‘“.

Lucas Reyer von der TU Dresden hat unter dem Titel „Galerie Lilie“ eine museale Lilien-Schau entworfen. Zehn ausgewählte Lilien werden wie Kunstobjekte in einer Galerie auf Stehlen präsentiert. Ein großes Holztor lädt die Besucher zum Betreten des „Freilichtmuseums“ ein. Dabei erinnert auch das Farbkonzept an eine Galerie: Allein die Exponate – also die Lilien – sind farbig, die Umgebung ist in Weiß gehalten. Auf schlichten, weißen gestrichenen Holzwürfeln mit Sitzkissen können die Besucher verweilen und die imposanten Lilien auf sich wirken lassen.

Unter dem Titel „lilien.acker! – oderwokommenunsereblumenher“ hat Marcel Tröger von der TU Berlin einen Schaugartenentwurf zum Nachdenken konzipiert: Weltweit werden auf mehr als 200.000 ha Fläche Schnittblumen wie die Lilie angebaut. Mancherorts prägen die Äcker ganze Landschaften. Und dennoch scheinen Blumen herkunftslos zu sein. Anders als bei Lebensmitteln oder Spielzeug gibt es bei Blumen kaum Interesse an den Produktionsbedingungen. Dies will Tröger mit seinem Entwurf ändern und stellt zudem die Frage „Kann ein Blumenacker ästhetisch sein?“. Kann er, wie der Plan eindrucksvoll zeigt.

Martina Heims und Kai Faust sind „Wiederholungstäter“, was die Bewerbung beim Schaugartenwettbewerb angeht. Bereits zwei Mal konnten die beiden jungen Absolventen den Sonderpreis der HerbertHeise-Stiftung für Gartenbau und Landschaftsarchitektur gewinnen. Da ihr Hochschulabschluss weniger als drei Jahre zurückliegt, durften sie sich erneut im anonymen Verfahren bewerben. Ihr Entwurf „How to ‚Lily‘“ ist wie ein Rezeptbuch gedacht: Der Schaugarten soll aus überdimensionalen, beschrifteten Buchseiten bestehen, die nicht bebildert, sondern bepflanzt sind. So können sich die Gartenfest-Besucher Pflanztipps und -anleitungen rund um die Lilie direkt mit nach Hause nehmen.

Das Fürstliche Gartenfest Schloss Fasanerie zählt zu den renommiertesten Gartenveranstaltungen Deutschlands und begeistert jährlich rund 25.000 Besucher. Veranstalter ist die Hessische Hausstiftung. Seit elf Jahren ruft sie im Rahmen des Fürstlichen Gartenfestes einen Schaugartenwettbewerb aus. Er greift das jährliche Sonderthema auf und setzt es mit viel Kreativität und gärtnerischem Fachwissen um: So wurden in den vergangenen Jahren vielbeachtete Schaugärten im Hofgarten von Schloss Fasanerie realisiert. Der überregional ausgelobte Wettbewerb richtet sich ausschließlich an Studierende der Landschaftsarchitektur und -planung sowie an junge Planungsbüros und LandschaftsarchitektInnen, deren Hochschulabschluss nicht älter als drei Jahre ist. Der Schaugartenwettbewerb findet in Kooperation mit der Fachzeitschrift „Gartenpraxis“, den Fachverbänden BDLA (Bund Deutscher Landschaftsarchitekten) und DGGL (Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e. V.) und der Herbert-HeiseStiftung für Gartenkunst und Landschaftskultur statt.

Die Jurymitglieder
- Prof. Frank Blecken, Herbert-Heise-Stiftung für Gartenkunst und Landschaftskultur
- Ralf Habermann, BDLA
- Anja Heil, Hessische Hausstiftung
- Petra Hirsch, DGGL
- Paul Kuhnert, Hofmann und Röttgen Landschaftsarchitekten
- Tobias Mann, Mann Landschaftsarchitektur
- Dr. Markus Miller, Museumsdirektor Schloss

Fasanerie
- Otto Poppa, Fichter Garten- und Landschaftsbau
- Jonas Reif, Gartenpraxis
- Barbara Siehl, Hessische Hausstiftung

Die bisher realisierten Schaugärten
2008: Atelier Raumgewinn, Kassel – „Schach- und Generationengarten“
2009: Architekturbüro Schulenburg Projects, London – „My Earth Share“
2010: Atelier Raumgewinn, Kassel – „Durstlöscher“
2011: Köhler Landschaftsarchitekten, Fernwald-Annerod – „Sinnesobjekte“
2012: Ralf Carls und Lydia Nüüd, Mainz/Koblenz – „Dornröschen“
2013: Denis Ohrenschall, Hochschule Weihenstephan – „Die Rückkehr des Atlas“
2014: Jenny Hauser, Dresden – „Ludwigs Feuerwerk“
2015: Jennifer Krauspe und Paul Kuhnert, TU Dresden – „Phantasia... wenn Träume fliegen lernen“
2016: Henriette Derix und Eva Schmidt, Hochschule Geisenheim – „Una Pizza Vegetariana“
2017: Julie Ann Holmok und Aylin Kreß, Hochschule Geisenheim – „Barocke Raumwelten“