12.01.2021

Natur im Garten: 11. Internationale Fachtage Ökologische Pflege

Art- and Recreational Area Donaulände Tulln. Bild: Stadtgemeinde Tulln.

Art- and Recreational Area Donaulände Tulln. Bild: Stadtgemeinde Tulln.

Online Austausch führender Gartenexperten bei den 11. Internationale Fachtage Ökologische Pflege.

Gärtnern geht auch online – so auch der länderübergreifende Austausch von Expertinnen und Experten in den Bereichen gärtnerischen Praxis und Forschung im Rahmen der „11. Internationalen Fachtage Ökologische Pflege“ von „Natur im Garten“. Über 270 TeilnehmerInnen aus verschiedenen Branchen aus zahlreichen Regionen Europas interessierten sich für die Fachvorträge, welche auf dem „Natur im Garten“ YouTube Kanal unter youtube.com/naturimgarten nachzusehen sind. Die Tagungsunterlagen können Interessierte unter naturimgarten.at/gartenwissen/seminar-und-tagungsunterlagen.html nachlesen.

Zum Auftakt der Online-Fachtage tauchten die ZuhörerInnen in die Welt der Bäume im Siedlungsraum ein. Die in Gemeinden häufig stattfindende Praxis der Kappung von Bäumen, welche aus Platznot oder in der Hoffnung der „Baumverjüngung“ durchgeführt wird, führt zu schweren Baumschäden mit Folgewirkung von Fäulnis und Absterben. Gemeinden können durch regelmäßige fachgerechte Baumpflege und Formschnitt ab dem Jungbaumstadium entgegenwirken, so Expertin Helga Zodl.

Dass Bäume im Siedlungsgebiet viel zu selten ausreichend Platz für nachhaltiges Wurzel- und Kronenwachstum zur Verfügung haben, unterstrich auch Fachexperte Stefan Schmidt. Er plädierte dafür, dass kommunales Regenwasser pflanzenverfügbar statt „kanalbelastend“ gemacht wird und erklärte das „Schwammstadt-Prinzip“ als zukunftsfähigen Lösungsansatz. Es braucht Strategien für mehr Wurzelraum mit speziell konzipiertem Straßenunterbau, um gesundes Wachstum für Bäume in Städten und Gemeinden zu ermöglichen. Die ZuhörerInnen bekamen von Nicholas Spindler außerdem Einblicke in die Technik der Bodeninjektion durch Druckluftlanzen, als mögliche Baumsanierungsmaßnahme für besonders gestresste Bäume.

Lösungen für Hitzeperioden und Starkregenereignissen

Petra Hirner von „Natur im Garten“ und Gartenplaner Martin Freisinger betonten, dass in Zeiten der Klimaerwärmung das Know-How rund um Standortansprüche von Staudenpflanzen genauso wichtig ist, wie die fachgerechte Bepflanzung und die Anpassung der Grünräume an immer häufiger auftretende Hitzeperioden und Starkniederschläge. Mehr Dach- und Vertikalbegrünung, versickerungsfähige Parkplätze und die Speicherung von Regenwasser sind Lösungen der Zukunft. Ein Praxisbeispiel zur Vertikalbegrünung wurde durch Thomas Uibel und Paul Weinzerl von der GARTEN TULLN vorgestellt.

Am Tag 2 der Fachtage gab es Einblicke in die Vielfalt und Ausbreitung der Neobiota durch Biodiversitätsforscher Franz Essl und in die faszinierende Welt der Spinnen durch Stephan Lauterbach. Weitere Referate gab es zum Einsatz pflanzenstärkender Biostimulanzien von „Natur im Garten“-Fachberaterin Gerlinde Koller-Steininger und zur Bedeutung von (Trichoderma-) Pilzen als Gegenspieler von Pflanzenkrankheiten von Karin Hage-Ahmed.

Einprägsam war der Forschungseinblick zu Mikroplastik im Boden von Eva Leifheit. Der allgegenwärtige Eintrag von Mikroplastik in unsere Böden durch Reifenabrieb auf Straßenrändern, Klärschlammausbringung auf Feldern oder durch die Verwendung von Folien- und Vliesen im Garten und Grünraum haben Folgen: Mikroplastik verstopft die Poren von Pflanzenwurzeln und Samenkörnern, reduziert die Aktivität von Mikroorganismen und verringert die Bodenstabilität.

Torffrei für den Klimaschutz

Elisabeth Temmel von der Versuchsanstalt Wies präsentierte Versuchsergebnisse zur torffreien und torfreduzierten Kulturführung von Sanvitalia und Pelargonien. Der letzte Vortrag des Gärtnermeisters Klaus Wenzel handelte ebenso von der torffreien Kulturführung in verschiedenen Kulturen und die Wichtigkeit des Beobachtens der Pflanzen durch den/die GärtnerIn.

Zum Abschluss der Fachtage wurde über den Ausstieg von Torf im Profi- und Hobbygartenbau diskutiert. Erfahrungen aus Forschung und Praxis zur torffreien Kulturführung als wichtige Klimaschutzmaßnahme, wurden ausgetauscht. Die DiskussionsteilnehmerInnen kamen aus unterschiedlichen Branchen: Katja Batakovic (Fachliche Leiterin „Natur im Garten“), Gerald Dunst (Geschäftsführer Sonnenerde GmbH), Angelika Ertl (Biogärtnerin, ORF-Moderatorin), Herbert Eipeldauer (Präsident der ÖGG und Innungsmeister der Wiener Innung für Gärtner und Floristen), Oswald Streif (Österreichisches Umweltzeichen, Verein für Konsumenteninformation), Klaus Wenzel (Gärtnermeister, „Natur im Garten“ Steiermark).

Die 12. Internationalen Fachtage Ökologische Pflege finden am 24. und 25. November 2021 statt. (Natur im Garten)