25.10.2017

Kühlschrank oder Wärmelampe? Schildkröten richtig überwintern

Im Herbst werden die in Freilandanlagen lebenden Schildkröten ins Zimmerterrarium geholt. Foto: FLH.

Auf der Welt gibt es etwa 300 verschiedene Schildkrötenarten. 90% davon leben im oder am Wasser, der Rest wird zur Familie der Landschildkröten gezählt. Sie alle gehören zu den wechselwarmen Tieren, produzieren also keine eigene Körperwärme, sondern passen sich ihrer Umgebungstemperatur an. Für die Reptilien, die in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel beheimatetet sind, ist die kalte Jahreszeit daher eine echte Herausforderung. Um den Winter gut zu überstehen, fallen sie im Herbst in eine etwa vier Monate anhaltende, schlafähnliche Ruhe, in der ihr Stoffwechsel auf ein Minimum reduziert ist. Wasserschildkörten ziehen sich dafür in den Schlamm oder auf den Grund eines Sees oder Flusses zurück und Landschildkröten vergraben sich unter Steinen und Baumwurzeln.

Aber wie sieht es mit Schildkröten aus, die in menschlicher Obhut in Aquarien, Aquaterrarien oder Freilandanlagen leben? Müssen auch sie eine Winterruhe einhalten? Ihnen könnte man durchaus ja auch ein Leben bei ganzjährig gleichbleibenden Temperaturen, guter Beleuchtung und stets ausreichendem Nahrungsangebot bieten. Die Meinung der Experten gehen da auseinander. „Grundsätzlich sollte jeder Besitzer sich genau informieren, aus welchem Herkunftsgebiet seine Schildkrötenart stammt und ob die Tiere dort eine Winterruhe verbringen", sagt Roland Zobel von der Fördergemeinschaft Leben mit Heimtieren e.V. (FLH). „Eine Ruhephase ist zwar auch bei Arten aus kälteren Regionen nicht zwingend notwendig, es gibt jedoch einige Argumente, die dafür sprechen. Für viele Schildkröten gehört sie einfach zum natürlichen Jahresrhythmus dazu. So ist sie für die Fortpflanzung unerlässlich, da die Tiere erst nach der Winterstarre paarungsbereit werden. Und gerade junge Schildkröten wachsen ohne die Kältemonate in den ersten Lebensjahren besonders schnell, was zu Organ- und Panzerschäden führen kann." Tatsächlich sollten aber nur Tiere in die Winterruhe gehen, die vollkommen gesund sind. Empfehlenswert ist es daher, seine Schildkröten vorher beim Tierarzt gründlich auf Parasiten und Infektionen untersuchen zu lassen. Zudem ist es wichtig, dass die Tiere ihren Darm entleert haben, bevor sie in den „Schlaf" geschickt werden.

Überwinterungsquartiere für Wasser- und Landschildkröten
Als Überwinterungsquartier für Wasserschildkröten eignen sich einfache Kunststoffwannen. Der Wasserstand sollte so sein, dass der Panzer des am Boden sitzenden Reptils ganz bedeckt ist, es aber jederzeit problemlos den Kopf zum Atmen aus dem Wasser heben kann. Ein künstliches Mulmbett kann man den Tieren mit in Würfel geschnittene Schaumstoff bieten, die locker im Wasser verteilt werden. Um einen Höhleneffekt zu erzielen, wird ein Teil der Wanne abgedeckt. Die Wassertemperatur sollte während der gesamten Winterruhe konstant bei etwa vier bis sechs Grad Celsius liegen. Weist das Wasser keine Verfärbungen oder anderen Auffälligkeiten auf, reicht es, wenn es alle drei bis vier Wochen gewechselt wird.

In die Überwinterungskiste für die Landschildkröten füllt man idealerweise zunächst eine Schicht Blähton, denn der ist ein guter Feuchtigkeitsspeicher. Darauf wird Gartenerde verteilt, die man mit Moos und trockenem Laub abdeckt. Die Schildkröten graben sich üblicherweise bis zur Erdschicht ein. „Das Substrat sollte während der Ruhemonate nicht zu trocken werden", erläutert Zobel. „Im Bedarfsfall muss man es zwischendurch etwas befeuchten. Aber aufgepasst: Unter den Panzern der Tiere dürfen keine dauerfeuchten Stellen entstehen." Die ideale Temperatur für die Ruhephase liegt auch hier bei etwa vier Grad Celsius.

Der beste Platz für das Winterquartier ist ein kühler Kellerraum. Ungeeignet sind Dachböden oder Gartenhäuschen. Hier gibt es im Frühjahr und Herbst zumeist sehr große Temperaturschwankungen, so dass die Gefahr besteht, dass die Schildkröten vorzeitig aufwachen. „Dies ist übrigens auch der Grund, warum man Wasserschildkröten - selbst, wenn die Arten aus den nördlichsten Gebieten dieser Erde stammen - nicht im Gartenteich überwintern lassen sollte", erklärt Zobel. „Bei den nicht sehr konstanten Wintern in unserer Region können die ersten warmen Frühlingstage dazu führen, dass die Tiere wieder munter werden. Folgen dann doch noch einmal Nachtfröste, setzen diese den Schildkröten arg zu. Besser ist daher auf jeden Fall die Überwinterung im Haus." Im Herbst werden deshalb auch die Freilandanlagen lebenden Schildkröten ins Zimmerterrarium geholt. Ist eine Winterruhe geplant, senkt man ab November langsam die Beleuchtungsdauer, Raum- und Wassertemperatur. „Dass ein Tier bereit zur Überwinterung ist, erkennt man an seinem Verhalten", so der FLH-Experte. „Es wird träge, stellt die Nahrungsaufnahme ein, entleert in auffällig oft seinen Darm und zieht sich in ein Versteck zurück." Steht kein passender Kellerraum zur Verfügung, ist es auch möglich, die Tiere in einem entsprechend hergerichteten Gemüsefach eines Kühlschrankes einzuquartieren.

Auch wenn die Schildkröten während der Winterstarre kein Futter benötigen und nicht zu häufig gestört werden sollten, ist eine regelmäßige Kontrolle wichtig. So sollte man sie etwa alle fünf bis sechs Wochen wiegen. „Bei stärkerem Gewichtsverlust, erkennbaren Erkrankungen oder Unruhe der Tiere ist die Winterruhe ist zu beenden", unterstreicht Zobel. „Dabei geht man genau wie bei einer normalen Auswinterung vor: Um den Kreislauf der Schildkörten nicht zu belasten, werden Temperaturen und Beleuchtungsdauer langsam angehoben." (Quelle: FLH)