17.02.2018

Frühblühende Stauden: Beleben Beet und Terrasse – auch im Schatten

Die Küchenschelle (Pulsatilla) ist ein Juwel für sonnige Steingärten oder Beete mit durchlässigem Boden. Der zarte, die ganze Pflanze bedeckende Flaum scheint wie von feinem Pinselstrich gezogen. Auch die fedrigen Samenstände sind eine Zier. Bild: GMH/Bettina Banse.

Die Frühlingssonne lockt nicht nur die Menschen wieder nach draußen, auch im Beet reckt und streckt es sich allerorten. „Ich finde es einfach toll, wenn im Garten das Leben erwacht, auch heute noch, nach mehr als 30 Berufsjahren“, stellt Jens Schachtschneider fest. Dem Inhaber der Staudengärtnerei Schachtschneider im niedersächsischen Neerstedt liegen besonders die Frühblüher für halbschattige und schattige Gartenbereiche am Herzen. „Ich mag sie sowieso, aber auch der Bedarf wächst, denn die Gärten werden immer kleiner und die absonnigen Areale durch die enge Bebauung immer größer.“ Wer anfangs zweifelt, ob die geeigneten Arten denn auch attraktiv genug sind, merkt schnell, wie die eigentliche Frage lauten müsste: „Wo soll ich all die Schätze bloß noch unterkriegen?“

Denn die Auswahl ist riesig. Sie reicht von filigranen Schattentänzern wie dem in Weiß, Rosa- und Rottönen gewandeten Lerchensporn (Corydalis Solida) bis zu robusten Gesellen. Zu letzteren zählen etwa das teils mehrfarbig blühende Lungenkraut (Pulmonaria), das auch im vollen Schatten noch gedeiht, und die Gämswurz (Doronicum), deren sonnengelbe Blütenräder auch im Halbschatten erstrahlen. Überhaupt sind bei den Frühblühern auch jenseits der prallen Sonne auffallend oft leuchtende Farben zu finden. „Zu den Klassikern gehören die Bergenien. Ich liebe die Sorte ‚Eroica‘ mit ihren violettroten Blüten und dem wunderschön gefärbten wintergrünen Laub – perfekt auch für die Kübelbepflanzung“, nennt Jens Schachtschneider ein Beispiel. Ein weiteres ist die Nelkenwurz – bis vor kurzem wenig verbreitet, aber stark im Kommen. Geum Chiloense ‚Mai-Tai‘ beispielsweise trägt von April an lachsrosafarbene, Richtung Orange spielende Blüten. „Die Nelkenwurz wird noch an Bedeutung gewinnen, weil sie eine Blütenlücke im Mai schließt“, ist sich der Staudenexperte sicher.

Knallige Farben oder zartes Pastell
Natürlich werden auch Liebhaber dezenter Farbtöne bei den frühen Halbschatten- und Schattenblühern fündig, sei es mit Lenzrosen (Helleborus Orientalis), der Frühlings-Platterbse (Lathyrus Vernus), der auch für Kübel wunderbar geeigneten Schaumblüte (Tiarella) oder dem nostalgischen Maiglöckchen (Convallaria Majalis). „Ist die Erde feucht genug, bleibt das Maiglöckchenlaub übrigens den ganzen Sommer über erhalten, nur an trockenen Plätzen zieht es ein“, verrät Jens Schachtschneider. Ein echter Alleskönner ist das Kaukasusvergissmeinnicht ‚Jack Frost‘ (Brunnera Macrophylla): Die blauen Blüten sind nur das i-Tüpfelchen über dem eleganten herzförmigen Laub mit dem silbrig schimmernden Muster. Die kompakt wachsende Sorte passt es ebenso gut in Landhausgärten wie in modern gestaltete Vorgärten.


Apropos Vorgärten, die liegen besonders häufig im Halbschatten oder Schatten und beherbergen viel zu oft nur Rasengräser oder Efeu. „Dabei lässt sich hier sehr leicht eine geschlossene, aber abwechslungsreiche Pflanzendecke erzielen. Denn die meisten in Frage kommenden Stauden harmonieren sehr gut miteinander und viele Frühblüher sind ausgezeichnete Bodendecker.“ Einige Arten wie die gelbblühende Waldsteinie breiten sich sehr stark aus, schließen rasch auch große Flächen und verdrängen dabei selbst hartnäckiges Unkraut. Andere vermehren sich kontinuierlich, werden aber nie lästig. Dazu zählt etwa die Elfenblume, deren Fangemeinde und Sortiment seit Jahren wächst. „Die zarten Blüten von Epimedium gibt es in zahlreichen Farbvarianten und ihr herzförmiges Laub ist einfach spektakulär, wächst schön dicht und bleibt bei vielen Sorten auch den Winter über erhalten“, schwärmt Jens Schachtschneider und strahlt – fast noch mehr als die Frühlingssonne. (GMH)