10.04.2019

Friedhöfe im Wandel zu Grünen Oasen der Stadt: Naturnahe Grabbepflanzung mit Stauden

Grüne Lieblingsplätze in der Stadt gibt es viele, und Friedhöfe gehören oft auch dazu. Sie sind mittlerweile nicht nur wichtige Orte der Trauerarbeit, sondern auch grüne Oasen, die zu Spaziergängen, ungestörten Gesprächen oder einer kurzen Auszeit vom Alltagstrubel einladen.

„Das liegt auch an der sich wandelnden Grabgestaltung“, ist Martin Becker überzeugt. Der Inhaber der Staudengärtnerei Becker in Dinslaken hat schon mit vielen Friedhofsgärtnern zusammengearbeitet und seinen Teil dazu beigetragen, dass heute manche Areale erkennbar mehr Besucher anziehen als andere. „Intensiv gestaltete Mustergräber sind auf Gartenschauen immer Anziehungspunkte. Zwischen Stiefmütterchen, Eis-Begonien und anderen einjährigen Blumen werden aber immer mehr Stauden gepflanzt. Teilweise schmücken abwechslungsreiche Staudenpflanzungen auch komplett die Gräber und harmonieren optisch wunderbar mit dem alten Baumbestand.“

Schaumblüte (Tiarella) und Herzblume (Dicentra), Storchschnabel (Geranium) und Gedenkemein (Omphalodes), Purpurglöckchen (Heuchera) und Elfenblumen (Epimedium) und wie sie alle heißen, regen die Pflanzplaner zu immer neuen Kombinationen an. „Stauden bieten so ein riesiges Repertoire an Arten für die unterschiedlichsten Stile und Standorte – es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sie nach den Gärten und öffentlichen Grünflächen auch die Friedhöfe erobern“, meint Martin Becker.

Beschleunigt wurde der Aufstieg der mehrjährigen Pflanzen durch den Trend zu naturhafteren Gestaltungsansätzen sowie die Entwicklung attraktiver Gemeinschaftsgrabflächen – und umgekehrt. „Es hat einen Grund, weshalb diese Grabstellen jedes mal ruck-zuck vergeben sind: Es ist dort einfach entspannend und wunderschön, wie in einem freundlichen Wald oder einem ruhigen Garten. Auch den Gedanken, sich auch nach dem Tod wieder in eine Gemeinschaft einzufügen, empfinden viele Menschen als sehr tröstlich.“

Naturnah, mediterran oder zu kunstvollen Mustern arrangiert

Es gibt Areale mit Biotop-Charakter, die außer dem Menschen auch die Tierwelt erfreuen sollen – neben Natursteinen mit den Namen der Verstorbenen finden sich hier und da knorrige Wurzelstöcke oder Baumstämme, ein Teich oder ein Bachlauf, diverse Nisthilfen sowie natürlich viele attraktive Stauden, die Nektar, Pollen oder nahrhafte Samen liefern.

Auch, wer es aufgeräumter mag, wird fündig, etwa mit großzügigen Schmuckpflanzungen, mediterran inspirierten Arealen oder asiatisch anmutenden Varianten mit eleganten Gräsern, Funkien (Hosta) und eingestreuten Fächer-Ahornen. „Allen gemein ist zum einen, dass sie von Stauden geprägt werden und sich entsprechend der Jahreszeiten verändern; zum anderen, dass die Flächen von ausgebildeten Gärtnern betreut werden und dadurch dauerhaft harmonisch und gepflegt aussehen“, erläutert Martin Becker. Der Ansatz überzeugt offensichtlich nicht nur Gärtner: Mit seiner Begeisterung für schöne Friedhöfe ist der Staudenprofi längst nicht mehr allein. (GMH/BdS)