30.08.2019

Filigran und doch erstaunlich robust: Ziergräser sind Allroundkünstler für Garten und Balkon

Der Reiz des Natürlichen: Ziergräser schaffen eine besondere Atmosphäre und sind dabei erstaunlich robust und pflegeleicht. Gerade im Herbst sollten sie mit ihren prachtvollen Blütenständen auf keinem Balkon, keiner Terrasse und in keinem Garten fehlen. Interessant sind vor allem Staudengräser, die als ausdauernde Pflanzen über viele Jahre einen Standort verschönern. Im Gartenfachhandel gibt es Sorten in vielen Größen und Wuchsformen und mit unterschiedlichen Ansprüchen an den Standort – von schattig bis hin zu vollsonnig und trocken. Damit sind Ziergräser echte Allroundkünstler – und für jeden Gestaltungsstil sowie für alle Gartenbereiche geeignet.

Von polsterförmig bis imposant

Der leiseste Windhauch lässt blühende Gräser schwingen. Diese Bewegungen dank ihres filigranen Wuchses machen Gräser so wertvoll und so einzigartig. Hohe Sorten bieten sich als Solitärpflanzen oder für die Hintergrundgestaltung an. Mittelhohe Gräser sind ideale Partner im Stauden- oder Rosenbeet. Sie sorgen für Struktur und Textur, können die Wirkung von Nachbarpflanzen betonen und sorgen in der blütenarmen Zeit für einen weiteren Höhepunkt im Beet. Polsterförmige, niedrige Sorten eignen sich gut als grüne „Lückenfüller“ und dicht gepflanzt als Bodendecker.

Überall auf der Welt verbreitet

Das Sortiment an schönen Gräsern im Gartenfachhandel ist in den vergangenen 50 Jahren stetig gewachsen und wird immer weiter ergänzt. Denn die Auswahl an sogenannten Süßgräsern ist groß. Sie wachsen in allen Klimazonen der Erde und sind mit etwa 12.000 Arten eine der größten Familien innerhalb der Blütenpflanzen. Die Bandbreite reicht von vier Meter hohen Riesen bis zu Sorten, die ihre Halme ganz dicht am Boden ausbreiten. Neben allen Schattierungen von Grün gibt es auch Gräser in Braun und Gelb bis hin zu edlem Grau oder Silber. Das Blutgras weist sogar rote Blattspitzen auf. Ähnlich vielfältig sind die Blütenfarben – von Weiß und Silber über Rosa und Rot bis hin zu allen Schattierungen von Braun. Außerdem punkten Gräser häufig mit einer besonderen Herbstfärbung. Und selbst im Winter sind die Blütenstände ein Hingucker. Überzieht sie Raureif, Frost und Schnee, entfalten sie noch einmal einen ganz neuen Zauber.

Heimisch oder exotisch

Das Sortiment im Gartenfachhandel umfasst zum einen heimische Arten wie die Seggen (Carex) und Perlgras (Melica), die den Weg von der Natur in den Ziergarten geschafft haben. Hinzu kommen exotische Sorten wie Pampasgras (Cortaderia) aus Südamerika und Chinaschilf (Miscanthus). Beide haben längst einen Stammplatz in der modernen Gartengestaltung. Ein Superstar ist das Lampenputzergras (Pennisetum). Ein kompakter Blatthorst und überhängende, hohe Blütenstände machen diese ausdauernde Pflanze so beliebt. Die Sorte ‚Hameln‘, 1971 als deutsche Züchtung in den Handel gekommen und inzwischen weltweit verbreitet, wird etwa 60 Zentimeter hoch. Mit bis zu 1,50 Meter mehr als doppelt so hoch wird ‚Paul’s Giant‘, während es die kleinwüchsige Sorte ‚Little Bunny‘ gerade einmal auf 30 Zentimeter Höhe bringt. Dabei macht das Lampenputzergras nicht nur im Garten eine gute Figur, sondern ist eines von vielen Ziergräsern, die auch sehr gut in Schalen, Kästen und Kübeln gedeihen.

Wenig Pflege nötig

Und bei all der Leichtigkeit von Gräsern steht meist eine erstaunlich robuste Pflanze dahinter. Am richtigen Standort gepflanzt, erweisen sich Gräser als beständig und widerstandsfähig. Sie wachsen sogar an Plätzen, die anderen Mehrjährigen zu trocken sind. Dabei kommen Gräser mit erstaunlich wenig Pflege aus. Bei frostharten Gräsern reicht ein Rückschnitt im Frühjahr vor dem Neuaustrieb aus. Auf Dünger kann in der Regel verzichtet werden. Und selbst Gießen ist meist nicht nötig, da viele Gräser Trockenheit gut überstehen. Das macht diese Pflanzen zu tollen Allroundtalenten.

Gartenphilosoph sah den Siegeszug der Gräser voraus

Er hat die deutsche Gartenkultur geprägt: Für den Gärtner und Philosophen Karl Foerster (1874 -1970) spielten Gräser eine tragende Rolle. Für sie fand er die poetische Umschreibung „Gräser sind das Haar der Mutter Erde“. Und fügte visionär in den 1960er- Jahren hinzu, dass ihre künftige Rolle in unserem Gartenleben noch gar nicht absehbar ist, „weil der Einzug der Gräser erst in den allerersten Anfängen steckt.“ Er sollte recht behalten, die Popularität der Gräser zog erst nach seinem Tod richtig an. Heute spielen sie eine Rolle im Garten, die der Gartenphilosoph schon früh in ihnen sah. Im Gartenkonzert sind Gräser die „Harfen“, formulierte es Foerster – filigran, leicht und wunderschön. (GMH/BVE)