13.01.2018

Blätterwerk statt Picasso: Lebende Pflanzenbilder verschönern die Wand

Lebende Pflanzenbilder sind nicht nur ein Blickfang, sie verbessern auch das Raumklima und sind zudem pflegeleicht. Bild: GMH/FvRH.

Lebendige Kunst ist eine trendige und platzsparende Art der Raumbegrünung. Pflanzen, die in speziellen Vertikalsystemen wachsen, sehen toll aus, verbessern das Raumklima und sind dabei auch noch pflegeleicht. Wer dauerhaft Freude an einem solchen Objekt haben will, sollte auf die richtigen Pflanzen und ein integriertes Bewässerungssystem achten.

LED-Pflanzenlicht für dunkle Ecken
Im Gegensatz zu Moosbildern, die aus konserviertem Naturmaterial bestehen, werden hier Rahmen-Grünsysteme mit echten Zimmerpflanzen bestückt. Für ein gesundes Wachstum an der Wand benötigen sie neben Wasser und Dünger auch ausreichend Licht. „Theoretisch können solche Bilder überall aufgehängt werden“, sagt Jürgen Herrmannsdörfer, Vorstandsmitglied im Fachverband für Raumbegrünung und Hydrokultur. Reicht das Tageslicht an einer Stelle nicht aus, helfen spezielle Pflanzenleuchten. Neuartige LED-Technik verbraucht dabei nur wenig Strom und bringt das Objekt in einer dunklen Ecke dennoch groß raus.

Rankende Pflanzen bieten sich an
Bereits ab einer Beleuchtungsstärke von 500 bis 600 Lux, was der Helligkeit einer gewöhnlichen Schreibtischlampe entspricht, gedeihen Kletterphilodendron (Philodendron scandens) und Efeutute (Epipremnum aureum). Rankende Arten haben den Vorteil, dass sie eng gepflanzt die Fläche schnell zuwachsen, und nur noch grünes Blätterwerk zu sehen ist. Auch andere genügsame Arten sind geeignet, solange sie von Natur aus klein bleiben oder sich gut beschneiden lassen. „Die Pflanzen sollten nicht komplett aus dem Rahmen wachsen“, sagt Herrmannsdörfer. Er empfiehlt bei der Auswahl zu einer Beratung durch einen Raumbegrünungs-Experten. Beliebt für die Wand sind auch Farne und pflegeleichte Blühpflanzen wie zum Beispiel Mini-Einblatt (Spathiphyllum).

Wasservorrat reicht wochenlang
Als Unterlage im Rahmen dient meistens ein Kassettensystem, in das eingepflanzt wird. Den Wurzeln steht darin nur wenig Platz zur Verfügung. Um das Gleichgewicht zwischen der Basis und der Blattmasse zu erhalten, sollte die Pflanzen gelegentlich beschnitten werden. Ein Vlies- oder Dochtsystem transportiert bei Bedarf Wasser und Dünger aus der Vorratskammer des Rahmens. Die gespeicherte Menge reicht in der Regel vier bis sechs Wochen. Ein Schwimmersystem sorgt dafür, dass nur so viel Flüssigkeit nachfließt, wie benötigt wird – ohne dass die Wand oder der Boden nass werden. Über eine Anzeige im Rahmen lässt sich zudem ablesen, wann wieder Nährlösung nachgefüllt werden muss. „Und wie bei einem Picasso sollte Rahmen und Blätter gelegentlich entstaubt werden“, sagt Herrmannsdörfer.

Vom lebendigen Bild bis zur Grünen Wand
Die gestalterischen Möglichkeiten und den ökonomischen Nutzen einer vertikalen Raumbegrünung wurden im Sommer beim Weltkongress Gebäudegrün in Berlin (www.wgic2017berlin.com) vorgestellt. Die Auswahl reichte von einfachen Pflanzenbilder bis hin zu sensorgesteuerten Bewässerungs- und Düngersystemen für Grüne Wände, die in allen Größen gebaut werden können. Wichtig allen vertikalen Systemen ist eine solide Wandbefestigung, da das Gewicht durch die Pflanzen und den Wasserspeicher, selbst bei einfachen Pflanzenbilder, leicht 25 Kilo übersteigen kann. Die Lebenserwartung eines lebenden Objektes liegt nach Aussage von Herrmannsdörfer bei einigen Jahren. Anschließend kann das System wieder neu bepflanzt und ein weiteres grünes Kunstwerk für die Wand geschaffen werden. (GMH)